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WAZ: Die Mammutaufgabe des Herrn Stamp - Kommentar von Stephanie Weltmann zur Kita-Betreuung

Essen (ots) - Joachim Stamp erhält in Kürze Post. Den NRW-Familienminister erwarten diesmal seitenweise Listen mit Unterschriften besorgter Eltern und umtriebiger Erzieher, die ihren Unmut über die immer noch prekäre Finanzlage bei den Kitas in NRW kundtun wollen. Stamp wird das nicht überraschen - die Klage der Träger über mangelnde öffentliche Hilfe hat den Wahlkampf in NRW erheblich geprägt. Dass die Zahl der Kinder aktuell wieder steigt, erhöht den Druck.

Gerade deshalb darf die neue Landesregierung nicht in der so bequemen Rückschau auf Fehler und Versäumnisse ihrer Vorgänger verharren. Stamp muss schnell und gewissenhaft handeln, um die beklagte Misere in der frühen Bildung zu beenden. Nun plant der Minister zunächst ein Sofortprogramm für die vom Aus bedrohten Kitas. Das bietet den Betroffenen vor Ort aber nur eine Atempause. Die Geldsorgen der Einrichtungen sind grundsätzlicher Natur, weil die Personalkosten in der Vergangenheit stärker gestiegen sind als die Zuschüsse aus öffentlicher Hand. Der neue Landesminister ist da gut beraten, die langfristige Besserstellung der Kita-Träger zügig über eine Gesetzesreform zu realisieren. Dafür müsste er tief in die Taschen des Landes greifen.

Wohlgemerkt ist damit lediglich nur Ist-Situation korrigiert - flexible Öffnungszeiten oder die von der Bertelsmann-Stiftung geforderte Qualitätsoffensive kämen oben drauf. Ungeklärt blieben auch die von Bertelsmann aufgezeigten Betreuungsunterschiede in den Städten - sie sind Auswuchs einer äußerst komplizierten Kita-Finanzierung in NRW.

Unterm Strich ist das Vorhaben Kita-Rettung ein Mammutprojekt. Stamp und die FDP, die noch im Wahlkampf die NRW-Kitas plakativ mit den "Småland"-Betreuern in der Ikea-Filiale verglich, müssen sich daran messen lassen, wie gewissenhaft sie diese Aufgabe angehen.

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