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Rheinische Post: Skandal wird Aufgabe Kommentar Von Lothar Schröder

Düsseldorf (ots) - Es sagt sich leicht, dass das Leiden der Opfer von sexuellem Missbrauch unbegreiflich ist. Eine Formulierung, die die Not der Menschen zwar anerkennt, die aber das Problem ins Reich des schlichtweg Unerklärlichen verbannt. Dabei ist auch der Missbrauch von damals noch immer ein Missbrauch von heute, weil er in den Köpfen der Opfer weiter fortwirkt, weiter wütet. Eine erste Hilfe ist darum die vorbehaltlose Anerkennung ihrer Not. Mit ihr wird ihnen ein Teil jener Würde zurückgegeben, die ihnen die Täter raubten. Die neue Studie des Kölner Erzbistums über den jahrelangen Missbrauch im Internat zu Bad Münstereifel geht genau diesen Weg: Die Opfer haben sie initiiert, die Opfer haben sie begleitet, die Opfer entscheiden, wie es weitergeht. Und die Opfer müssen es sein, die jene Institutionen befragen, in denen Missbrauch möglich wurde. Es geht um das Lebensumfeld der Priester und ihre Ausbildung, es geht um Mündigkeit und Angstfreiheit, es geht um Respekt unter Menschen, der nie der Hierarchie, sondern dem Menschen selbst geschuldet ist. Erst das macht aus dem Skandal eine Aufgabe.

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